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Pleite-Verlage, Heul-Lektoren und das böse Self-Publishing
Willst du Schriftsteller werden?

Tu es nicht. Schriftsteller sein ist schrecklich. Die Verlage haben kein Geld, die Lektoren mögen deine Figuren nicht und die Veranstalter wollen dich als persönlichen Sklaven halten. Aber ich werde dich sowieso nicht davon abhalten können, oder? Weil unsere Gehirne bestimmt ähnlich verwaltungsintensiv sind. Ungefähr so:

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The Brain from Planet Arous (https://destroyka.wordpress.com)

 
Also gut. Herzlichen Glückwunsch, du hast eine richtige Geschichte zu Papier gebracht
(Falls nicht: klicke hier) – gut gemacht! Jetzt musst du dich nur noch trauen, diese neue Welt den Menschen um dich herum zu zeigen. Es macht dir Angst, ich weiß. Aber es lohnt sich. Der erste, dem du deine Arbeit zeigen solltest, ist:

Der Testleser

Du solltest 5-8 Testleser für dein Manuskript aussuchen, die selbiges in deinem Auftrag schonungslos verreißen. Hierbei gilt:

– Nicht Mutti
– Beste/r Freund/in nur, wenn sie/er die Eier hat, dich zu kritisieren
– Ansonsten ein Querschnitt deiner gefühlten Zielgruppe.

Wenn du dein Manuskript zum Testleser geschickt hast, koch dir einen Tee. Nein, koch dir 20.000 Tees. Denn was sich für dich anfühlt wie eine Ewigkeit, ist für deinen Testleser in seinem hektischen Alltag nur ein Sekündchen. Er wird es lesen, aber eben in seinem Tempo. Und wenn er sich so gar nicht meldet – auch nicht nach einem Jahr (hüstelJOCHENOVERBECKentschuldigung), dann fand er es wohl sehr, sehr schlimm. Das ist aber egal, denn beim Feedback der Testleser gilt dasselbe wie bei deinem Lieblingsradiosender: Der Mix macht’s. Nimm alle Anmerkungen ernst, aber wäge gut ab. Du bist der Autor. Du bestimmst, was veröffentlicht wird. Na ja – du und…

Der Verlag

Auf den Schreibtischen der Verlagslektoren stapeln sich deckenhoch die E-Mails. Es ist nicht gerade so, als hätten sie auf dein Manuskript gewartet. Tatsächlich landet es wahrscheinlich direkt nach dem Eingang im „Unglück der Woche“-Ordner, der für die clevere neue Geschäftsidee des kurz vor der Kündigung stehenden Lektors herhalten muss: Den Trash-Literaturblog. Das wäre ja wenigstens schon mal eine Veröffentlichung. Nein, stopp! Nicht verzweifeln. Alles, was du brauchst, ist ein…

Literaturagent

Literaturagenten wohnen ausnahmslos in hochherrschaftlichen Altbauwohnungen oder Prunkvillen am Stadtrand und hören gern klassische Musik und die Beatles. Man fängt sie am besten mit Château Mouton-Rothschild und gutem Schreibstil.

Im Schriftstellerforum DSFO findest du eine aktuelle Agenturliste. Informiere dich auch unbedingt über gewünschte Formate und den Umfang der Bewerbung (die sind von Agentur zu Agentur unterschiedlich). Die meisten Agenten machen einen hervorragenden Job und verhandeln gut. So gut, dass sie ihre durchschnittlich 15% Einnahmenbeteiligung beim Verlag gleich mit reinverhandeln.

Kleiner Tipp für die Zusammenarbeit: Lass dich nicht dazu hinreißen, bei ausbleibenden Verlagszusagen deinem Agenten die Schuld zu geben. In den allermeisten Fällen liegt es an etwas anderem. Von „Der Protagonist ist rothaarig.“ bis zu „Der Lektor hat sich von seiner Frau getrennt und verträgt derzeit keine Liebesromane“ kann alles dabei sein.

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Kreißsaal. Where the Schmerz happens.

Dein Agent hat einen Verlag für dich gefunden? Hurra! Glückwunsch! Gern würde ich dir jetzt sagen, dass die meiste Arbeit damit geschafft ist. Aber leider gibt es da noch

Das große Verlagssterben

Anders als in anderen Medienbetrieben verbringen Verlagschefs nicht ein halbes Jahr auf Kosten ihrer Mitarbeiter im Yachturlaub. Deinem Verlag geht es mit großer Wahrscheinlichkeit finanziell schlecht. Und das wirkt sich auch auf die Zusammenarbeit aus.

Was du bisher für Verlagsarbeit hieltest, wird nun einfach auf deine eigene To-Do-Liste geschaufelt. Dazu gehören das Schreiben von Klappentexten und Pressemappen, die eigene Online-Promo und auch das Organisieren von Lesungen.

Und während du dich nun Stück für Stück in deine 26 neuen Berufe einarbeitest, gerätst du früher oder später an den

Schriftsteller-Cartoons: Hemingway-Schreibratgeber

Der einzige, der Geld hat, versäuft es auf deiner Lesung.

Veranstalter

Er ist der einzige Mensch in diesem Artikel, der tatsächlich auf dich gewartet hat. Der Veranstalter möchte nämlich, dass du bei ihm in der Kneipe, im Hotel, im Laden oder auf seiner Hühnerfarm die Gäste unterhältst und seinen Getränkeabsatz in die Höhe treibst. Es gibt nur ein Problem: Er möchte dich für deine Arbeit nicht bezahlen.

„Wenn Sie gut sind, bekommen Sie vielleicht Prozente vom Umsatz.“
„Aber die Lesung ist doch Werbung für Ihr Buch!“
„Lesen ist kein Beruf, wie kommen Sie darauf, dass Sie dafür bezahlt werden?“

Veranstalter sehen sich gern in der gönnerhaften Position desjenigen, der dir eine Plattform für deine minderwertige Kunst liefert. Deine Reaktion hierauf sollte gut überlegt sein. Lies dazu den Artikel „Alles Hobby, oder was?“ von Petra A. Bauer.

Verf***te Sch***e

Ich habe dich gewarnt. Wenn ich bedenke, wie viele Stunden du an diesem blöden Manuskript gesessen hast, möchte ich verzweifeln! Und jetzt will dich einfach niemand für deine harte Arbeit belohnen.

Wärst du Senior Key Account Manager bei Sonstwas-Industries, dann hättest du gar kein Problem damit, allen zu erzählen, was für ein toller Hecht du bist. Sie würden dich allein für deine rhetorische Hochstapelei besser bezahlen als jeden leidenschaftlichen, talentierten Handwerker.

Da du aber Schriftsteller bist, sensibel, ängstlich, von Selbstzweifeln zerfressen, geht das nicht. Du wirst vor deinem Computer sitzen, deine zaghaften Versuche der Selbstpromotion werden ins Leere laufen, du wirst ohne Bezahlung lesen oder deine kleine Gage dem gemeinnützigen Verein spenden, für den du gerade gelesen hast. Und das wenige Geld, das durch Buchverkäufe eingenommen wird, geht bis auf 10 Prozent an deinen Verlag.

Mach’s dir doch selbst

Weißt du was? Ich hab da eine Idee.
Self-Publishing war lange Zeit ziemlich „igitt“. Niemand hat einen Selfpublisher rezensiert oder gar in den Medien zu Wort kommen lassen. Aber Digitalisierung sei Dank findet auch auf dem Buchmarkt ein Paradigmenwechsel statt.

Heutzutage ist jedes zweite verkaufte E-Book von Selfpublishern. Und seit digitale Influencer wie z.B. Leselurch oder Die Liebe zu den Büchern ganz ohne Sendelizenzen und Vorstandssitzungen riesige Massen inspirieren, haben die Publikumsverlage viel weniger Macht über dich. Auch begnadete Lektoren wie Dorothea Kenneweg haben im Selfpublishing ihr Zuhause gefunden und dabei den Spaß ihres Lebens.

UnbedasgsadgsdagasdgnanntDa komme ich doch ins Grübeln. Mein zweiter Roman ist fast fertig lektoriert. So ganz klar ist noch nicht, wie es mit ihm weitergehen wird. Vielleicht entwerfe ich mir einfach mal ein Cover…

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ey followers bin auf lesung voll öde #boring #hatebooks #tldr #gaehn #oldpeople

Übrigens freue mich mich wie ein Flummi auf meine Lesung auf Hof Sorgenlos. Wer mit mir zusammen im Schnee versinken möchte, sollte sich am 10. Januar 2016 einen schönen Sonntag auf dem Land gönnen.

Ich werde auch ein Stück aus meinem bisher unveröffentlichten Roman „Der Himmel über Quickborn“ lesen.

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Ich lese auch für Smombies.

JDarkroom: „With the lights out it’s less dangerous.“

Schreibschäme. Großer Mist. Es ist wie mit dem Tanzen: Wenn keiner hinguckt, ist es irgendwie leichter. Wie oft saß ich schon zum Schreiben in einem Café (man verhutzelt ja sonst vollkommen) und bin von Platz zu Platz gerutscht, weil ich an jeder Ecke das Gefühl hatte, dass mir einer auf den Bildschirm guckt. Und wenn man dann auch noch eine Sexszene schreiben muss, oh Gottogott.

Im Dunkeln schreiben, das wär’s. Nur wenn der Screen einen mit diesem grellblauen Licht anstrahlt (ist das eigentlich gesundheitsschädlich?), sitzt man ja schon wieder im Spotlight.

Wie wäre es mal mit JDarkRoom? Das ist nicht nur was für Retro-Fans. Die Benutzeroberfläche ist außerdem schön reduziert und schützt eure Diskohirne vor Ablenkung.

Licht aus, Klassenarbeit!

Caught on tape

Was für ein kuscheliger Abend mit meinen ersten Lesern! Danke dafür ♥ Ihr seid wunderbar!